Investieren in den klugen Kopf von morgen

Studieren ist nicht einfach – das wissen wir seit der ersten deutschsprachigen Universitätsgründung im April 1348. Gleiche Voraussetzungen für alle war schon immer Utopie und wird es wohl auch bleiben. Wer nicht mit gut verdienenden Eltern ausgestattet ist, der muss sich ein Zubrot verdienen – oder im Extremfall einen aufnehmen. Ein börsennotiertes Finanzierungsmodell soll nun Abhilfe schaffen.

 

Investitionen in akademischen Nachwuchs

Ein Studium an der Privatuni Witten/Herdecke kann gut und gern bis zu 48.000 Euro kosten. Da fragt sich der Student von heute: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Studentenkredite bei Banken können Abhilfe schaffen, denn das Studium ist erstmal finanziert, der Schuldenberg nach dem akademischen Abschluss jedoch auch erheblich. Hieraus entwickelte sich die Idee des Student--Modells: Ein Anleger kann direkt in den akademischen Nachwuchs investieren – die Renditeaussichten sind jedoch wie bei Venture-Capital-Investitionen. Das heißt, vor allem unsicher!

Wertpapierkennnummer A12UD9

Die zündende Idee hatte die Studierendengesellschaft der Universität Witten/Herdecke. Sie machten ganz einfach aus dem Studenten von heute ein Finanzprodukt. Der Ingenieur von morgen wird quasi heute schon an der Düsseldorfer Börse feilgeboten – unter der Wertpapierkennnummer A12UD9. Und die Idee hatte Erfolg: Die Zeichnungsfrist wurde sogar vorzeitig beendet, denn alle Anteile waren Ende November vergeben – insgesamt seien auf diese Weise 7,5 Millionen Euro zusammengekommen.

Die Anlageform sieht wie folgt aus: Das Finanzprodukt „Student“ stellt nach dem akademischen Abschluss jährlich 3,6 Prozent Zinsen in Aussicht, abhängig vom jeweiligen Einkommen. Ausgelegt ist das Rückzahlungsmodell auf einen Zeitraum von zehn Jahren.

Gefahren bei börsennotierten Produkten

Der 160-Seiten-Prospekt eines Anwalts gibt Aufklärung über Chancen und Risiken des Invest-in-Student: Hier heißt es unter anderem, dass es „aufgrund allgemeiner Lebensrisiken der Studierenden“ zu geringerer oder gar keiner „Rückzahlung von Finanzierungsbeiträgen“ kommen kann. Denn: Hat der von Morgen keine Arbeit oder ist Geringverdiener, so sind sicherlich auch keine 3,6 Prozent Rendite zu erwarten.

 

Was also nach wie vor auch solche Investments zeichnet, ist das Problem der mangelnden Chancengleichheit: Um Renditeerwartungen der Anleger zu erfüllen, werden Anbieter solcher „Finanzprodukte“ verständlicherweise vermehrt auf Top-Studenten der MINT Studiengänge zurückgreifen – und nicht auf den potentiell arbeitslosen Germanisten!