Wertpapierkredite

Wertpapierkredit

Königsweg ?

Der Wertpapierkredit, auch Effektenlombardkredit, genannt, dient zur speziellen Finanzierung von Aktien, Wertpapieren und Zertifikaten. Vor allem, wenn man schnell und dringend Geld benötigt, um ein besonders lukratives Aktienpaket zu erwerben, kommt ein Wertpapierkredit gerade recht, um Aktien zu kaufen, die gerade heiß sind. Andere Möglichkeiten schneiden im Vergleich zu einem Wertpapierkredit meist wesentlich schlechter ab.
Man könnte zwar bei seiner Bank einen Ratenkredit beantragen oder wenn man es ganz eilig hat, auch in den Dispokredit reingehen, doch sind dort die Sollzinsen so hoch, dass die Kosten die mögliche Rendite meistens übersteigen.

Wertpapierkredit

Da das auch die Banken wissen, hat man schon vor langer Zeit den Wertpapierkredit erfunden, der früher noch Effektenlombardkredit hieß. Doch nur wenige benutzen diesen schönen Begriff noch, weil vielen die Bedeutung der beiden Begriffe nicht mehr geläufig ist. Mit dem Begriff „Effekten“ werden alle am Kapitalmarkt gehandelte Wertpapiere bezeichnet, die der Beschaffung und der Anlage von Kapital dienen. Dazu zählen in der Hauptsache Aktien, Schuldverschreibungen, Pfandbriefe, Schuldverschreibungen, Anleihen und Rentenpapiere.

Bereits bei Fugger und Medici

Mit bezeichnet man das Geschäft „Kredit gegen Pfand“. Der Begriff stammt aus dem italienischen Bankenwesen aus der Zeit der Renaissance, als die Medicis und die Fuggers den europäischen Finanzhandel prägten. Vor allem in der Region der oberitalienischen Lombardei wurden damals viele Kredite gegen die Überlassung von bestimmten Pfändern verliehen. Vor allem der Adel finanzierte auf diese Weise seine zahlreichen Scharmützel, Waffengänge und Fehden und trug dadurch zum starken Aufschwung des italienischen Bankenwesens bei. Das steckt also hinter dem Finanzmechanismus, der heute noch als Wertpapierkredit geläufig ist.

Die Bank bekommt die Wertpapiere

Bei vielen Privatanlegern ist der Wertpapierkredit so beliebt, weil der Zinssatz meist sehr günstig ist. Um sein mit heißen Tipps aufzustocken, ist also ein Wertpapierkredit das besten Mittel der Wahl – sozusagen der Königsweg. Was man dazu wissen sollte: Bei einem Wertpapierkredit überlässt der Kreditnehmer der Bank seine Wertpapiere als Sicherheit für den gewährten Kredit. Mit diesem kauft er anschließend neue Wertpapiere. Der Vorteil zu Raten- oder Dispokredit sind die niedrigen Sollzinsen, aufgrund derer der Anleger selbst bei einer Baisse noch Gewinn machen und den Wertpapierkredit zurückzahlen kann. Voraussetzung zur Tilgung eines Wertpapierkredits ist, dass die hinterlegten Wertpapiere nicht nur aus Aktien bestehen, sondern auch aus festverzinslichen Wertpapieren oder ähnlich sicheren Wertpapieren. Bei vielen Direktbanken, die ihre Dienste online anbieten, bekommen Depotkunden besonders günstige Wertpapierkredite – oftmals zu Zinssätzen zwischen sechs bis sieben Prozent. Ersucht man bei seiner Hausbank um einen entsprechenden Wertpapierkredit, ist meist etwas Verhandlungsgeschick erforderlich.

Depotqualität entscheidend

Ein Wertpapierkredit wird nicht in unbegrenzter Höhe gewährt, sondern hängt von der Qualität des Wertpapierdepots, das sie der Bank als Sicherheit bieten. Hier bewahrheitet sich die Redensweise, nach der „Geld zu Geld“ kommt. Besitzen Sie bereits ein gut aufgestelltes Wertpapierdepot, dann bekommen sie auch einen höheren Kredit, mit dem sie sich wiederum mehr Wertpapiere zulegen können. Ihre Bank ermittelt den Beleihungswert ihrer Wertpapierdepots, der in der Regel unterhalb des aktuellen Börsenwertes liegt. Dieser Puffer dient dem Geldinstitut als Sicherheitsmarge, um börsenbedingte Schwankungen ausgleichen zu können. Je höher daher der Aktienanteil ihres Depots, desto niedriger wird der Beleihungswert geschätzt und umso geringer wird der mögliche Wertpapierkredit ausfallen.

Text: Stefan Benaburger